Sie sind hier: Glaubensbuch 3 Kurzübersicht GB 3 Kapitel 2  
 KURZÜBERSICHT GB 3
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
 GLAUBENSBUCH 3
Kurzübersicht GB 3

KAPITEL 2

Alles hat seine Stunde

Durch die Teilung des – ursprünglich doppelt so langen Kapitels – wurde eine Verdeutlichung der Ziele erreicht; dieses Kapitel ist nun sehr stark von der Auseinandersetzung mit der Medienwelt bestimmt, die die Menschen heute mit Macht umgibt. Es ist vor allem die Beschleunigung, die teilweise den Atem nimmt; deshalb ist die Besinnung auf die Zeit und auf Gott, der uns die Zeit schenkt, ein primäres religionspädagogisches Anliegen.


 



1. Schneller bunter lauter

Nicht nur die Lebenswelt unserer SchülerInnen ist durch die Tendenz zur Beschleunigung gekennzeichnet. Die technischen Möglichkeiten wachsen ständig; damit steigt auch das Bedürfnis, immer „dabei“ zu sein. In der Welt der SchülerInnen betrifft dies auch sehr stark die Kleidung, die Mode, die Art und Weise, wie sie sich „geben“. Von dieser Entwicklung sind aber nicht nur die SchülerInnnen, sondern wir alle betroffen; außerdem sollte sie nicht nur negativ gesehen werden. Wohl aber muss gerade im Religionsunterricht gefragt werden, ob wir nicht in mancherlei Weise für unseren Nächsten blind und taub geworden sind. Das Gebet von W. Willms und vor allem der Text des Gleichnisses vom törichten Kornbauern stellen die Frage nach den Prioritäten unseres Handelns mächtig in den Raum. Der Verweis auf die Tradition des Verzichtens kann außerdem für ein Nachdenken über das Leben sehr hilfreich sein.


2. (Keine) Zeit für mich für dich?

Ein Kennzeichen dieser „modernen“ Lebenswelt ist die Hast, die Beschleunigung, die Unfähigkeit, ganz „da“ zu sein. Dies bezieht sich auf uns selbst wie auch auf unsere Beziehungen zur Welt und zu den Mitmenschen. Die Angst etwas zu verpassen und zu kurz zu kommen beherrscht offensichtlich unser aller Leben. Wir versuchen immer mehr Inhalte in die Zeit hinein zu pressen, weil wir kein “Obdach für die Seele“ mehr haben (P.M. Zulehner). Diese Tendenz ist sowohl vom Aspekt einer seelischen Gesundheit wie auch vom Religiösen her äußerst bedenklich. „Wofür habe ich Zeit?“ – diese Frage ist eine moderne Gewissenserforschung, weil sie manche verborgene Tendenzen unserer Seele aufspürt und frei legt.
Wir müssen lernen, einerseits die Zeit klug zu nützen andererseits auch Zeit zu verschenken.
Die Doppelseite bringt dieses Thema der Zeit nun verstärkt in die Klasse; der Text aus Kohelet „Alles hat seine Stunde“ kann hier eine zentrale Bedeutung erlangen, weil es um die Ordnung der Zeit geht, die vielfach durcheinander geraten ist.


3. Mit allen verbunden?

Die „Kommunikationsgesellschaft“ ist eine Tatsache heutigen Lebens. Die technischen Möglichkeiten haben es mit sich gebracht, dass wir ständig und überall – technisch – mit beinahe der ganzen Welt verbunden sind. Wie sehr diese neue technische Umgebung uns in unserem Selbstverständnis ändert, können wir jetzt noch gar nicht sagen; sicher ist, dass die SchülerInnen mit einer fraglosen Sicherheit sich der neuen Techniken bedienen. Handy und Internet sind die beiden wichtigsten Symbole dieser Entwicklung. Die Frage, ob mit dieser technischen Verbindung eine wirkliche neue Verbundenheit einher geht, ist damit durchaus noch offen und immer wieder kritisch zu stellen. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter bringt diesen Aspekt zur Sprache: „Dabei sein“ ist noch nicht das Wesentliche. Der Schritt vom Wahrnehmen zum Helfen muss immer erst bewusst gemacht werden, ansonsten gilt auch das Gleichnis-Wort: „Er sah ihn und ging vorüber“. Dieses Gleichnis Jesu ist außerdem ein Leseimpuls für unsere globale Weltsituation; es geht nicht nur um die persönliche, sondern auch um die kollektive Dimension unserer Lebenswelt. Das Thema der Globalisierung ist deshalb hier angesprochen. Sie ist ein selbstverständlicher aber wenig reflektierter Teil unserer Lebenswelt.


4. Verbunden sein

Die Achtlosigkeit, mit der wir vielfach einander begegnen, ist nicht einfach Böswilligkeit sondern oft ein seit Kindheit eingeübtes Verhalten. Wenn wir einander wirklich verbunden sein wollen, dann bringen wir das auch durch eine andere und neue Art zu hören und zu reden zum Ausdruck. Dies müssen und können wir aber erlernen. Freilich ist dies nicht in erster Linie ein intellektuelles Wissen, sondern ein neues Verhalten. Das Beten ist ein wichtiger und großer Schritt auf diesem Weg: Wir werden fähig und bereit, uns selbst zu öffnen, für uns selbst aufmerksam zu werden und auszusprechen, was uns bewegt. So werden wir auch eine neue Verbundenheit für unsere Mitmenschen und für die Welt lernen und einüben.


5. Meine Zeit in Gottes Händen

Der Glaube, dass die Zeit in Gottes Händen liegt, hat sich religiös in vielfältigen Ansätzen artikuliert. In kultureller Hinsicht geht es um die Frage, wie die Menschen ihre Zeit strukturieren und wie in dieser Zeitstruktur der Hinweis auf Gott vorkommt. Hier setzt das Anliegen dieser Doppelseite an: Die Frage nach dem Sonntag und nach den Festen. Der Sonntag bringt zum Ausdruck, dass die Zeit mehr ist als Konsum und Geld, die Feste er-innern an die Erfahrungen mit Gott, an denen wir teilhaben können. „Mit Gott wie mit einem Freunde reden“ – diese Formulierung aus der durchaus tiefsinnigen Geschichte bringt dies zum Ausdruck.
Die Zeiterfahrung ist eine sehr grundlegende menschliche Erfahrung; wir merken, dass wir die Zeit nicht fest halten können, dass sie scheinbar über uns und die Menschen hinweg rast, und wir erleben auch erfüllte Zeit als Geschenk. Deshalb sind solche Erfahrungen immer wieder auch in Gebet und Lied auszusprechen.
Dieses Kapitel macht auf jene Momente aufmerksam, in denen Menschen mitten in ihrem Leben den Anruf Gottes vernehmen und erkennen. Sie können sich im Leben jedes Menschen – als Sternstunden – ereignen. So sollen Schülerinnen und Schüler eingeladen werden, ihr Leben unter diesem Blickwinkel anzuschauen und in ihm die Zuwendung Gottes zu erahnen. In besonderer Weise wird das dann an den großen Gestalten des Alten Testaments Abraham, Sara, Hagar und David entfaltet. Von diesen Berufungserzählungen ausgehend wird ein Einblick in die Geschichte und Heilsgeschichte des Alten Testaments geboten und dargelegt, wie diese im Laufe der Jahrhunderte Schrift wurde. Einen besonderen Schwerpunkt stellt dabei die Gottesoffenbarung dar und die Art und Weise, wie sie im Glauben und in den Schriften des Alten Testaments in Namen und Bildern ihren Ausdruck fand.